Reise nach China

China…

Ich bin zurück und stelle fest, dass es mir extrem schwerfällt, meine Eindrücke und Erlebnisse in Worte zu fassen. Sie waren überwältigend. Was hatte ich erwartet?

Nun, auf jeden Fall nicht diese Ausmaße der Städte, die Freundlichkeit der Leute, den Standard der Hotels, die extreme Vielfalt der Landschaft.

Eine Reise durch China ist – trotz eines starken Trends zum westlichen Lebensstil – eine Reise in eine völlig andere Kultur. Hat man mitten in der Einkaufsstraße Nanjing Road in Shanghai das Gefühl in einer Weltstadt zu sein, so kann dieser Eindruck in der nächsten Seitengasse sofort wieder schwinden. Ganz zu schweigen von anderen Städten in China. Viele Millionenstädte sind modern und auf den zweiten Blick doch weniger fortschrittlich. Aber ist es nicht genau das, was wir auf einer China-Reise suchen? Das Andere, das Besondere und auch das Fremde?

Zwei Sachen waren für mich mit am beeindruckensten, einmal die vielen Wohnhochhäuser und dann die Hallen der Harmonie.

Wir besuchten Städte mit Einwohnern in zweistelliger Millionenhöhe. Eine Stadt, Chongqing, ist flächenmässig so gross wie Österreich mit 30 Mio Einwohnern! Um diesen Menschen allen Wohnraum zu geben, muss man auf Wohnhochhäuser zurückgreifen, die teilweise 40-50 Stockwerke haben. Früher kam auf eine Person 4-6 m2 Wohnfläche, heute sind es 14m2. Gern hätte ich eine Wohnung von innen gesehen.

Der wichtigste Ort, den wir in China aufsuchten, war die „Halle der Harmonie“. Nach jedem Besuch dort fühlte ich mich erleichtert, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Chinesen sagen nicht einfach Toilette oder Klo, sondern sie besuchen die ‚Halle der Harmonie‘, weil Konfuzius sagte, dass der Körper im Gleichgewicht sein sollte. Der Besuch führt zu einem Wohlbehagen, der Körper ist wieder in Harmonie. Der Besuch ist immer kostenlos, wenn auch die Toiletten oftmals einfach sind und man gute Beinmuskeln haben muss, um sich hinzuhocken. Es gibt inzwischen aber immer mehr Sitztoiletten. Für mich war das kein Problem.

Das Essen enthält viel frisches Gemüse (köstliche Aubergine!), Fleisch, Nudeln, Reis, eine Art Knödel und regionale Spezialitäten mit vielen Möglichkeiten der Zubereitung und Würzung.

Generell kann man sagen: Reis wird in China vor allem in der Südhälfte gegessen, im Norden sind Nudeln wichtig. Zum Essen wird kostenlos Tee serviert. Besteck kann bestellt werden.

Bier zählt in China eher zu „Softdrinks“ -Alkoholgehalt 2,3%- als zu Alkohol und wird häufig aus Wassergläsern getrunken.

Wenn wir als Gruppe an zwei runden Tischen Platz genommen hatten, ertönten regelmäßig Stimmen:

„Ich möchte Cola Zero! Gibt es nicht? Wieso nicht?“, oder

„Ist da Koriander drin? Ich habe eine Koriander-Allergie!“, oder

„Ist das Essen scharf? Wir essen Zuhause immer(!) scharf, aber nicht so scharf wie hier!“

„Wo, bitte, ist der nächste McDonald?“, hätte ich dann am liebsten gerufen und den Nicht-Gourmets die Tür geöffnet.

Mir schmeckte es immer. Einigen anderen auch. Die Schärfe trieb uns manchmal Tränen in die Augen, die einfach weggelacht und -getrunken wurden. Was soll’s! Wir waren im Ausland, andere Länder – andere Gewürze. Das ist für mich mit das spannendste auf Reisen, neue Lebensmittel und deren Zubereitung zu probieren. Von unserem Reiseleiter Bin kam aber der vorsichtige Hinweis, aufzupassen, wenn etwas mit Leitungswasser gewaschen wurde. Ein krankes Gruppenmitglied ist kein gutes Mitglied!

Reisesplitter (1)

Mit zwei Stunden Verspätung landeten wir in Peking, fanden und beäugten uns als Gruppe, machten die Bekanntschaft des Mannes, der uns drei Wochen begleiten wird.

Ein kleiner Chinese mit Namen Bin.

Im Laufe der Reise sprachen wir über die Körpergrösse und Bin erzählte uns, dass es 1960 ein Hungersnot gab und alle die, die damals geboren wurden, blieben bei etwa 1,60 m stehen. Dabei lachte er. Wahr oder nicht wahr?

Bin verstand auf jeden Fall Spass und auch in der Gruppe gab es einige Spaßvögel, sodass wir viel gelacht haben. Ein ständiger Begleiter war ‚KUnfuzius‘, der uns die verschiedensten Hinweise und Erklärungen gab, wie zB:

Wenn es draussen regnet und du bist drin, wirst du nicht nass. Kam unheimlich gut an, als wir mehrere Tage Regen hatten.

In den drei Tagen in Peking besuchten wir den Himmelstempel, den Platz des Himmlischen Friedens, den Sommerpalast und die Grosse Mauer. Mit uns waren immer tausende Leute, hauptsächlich Chinesen, unterwegs.

Wir wurden bei den Besichtigungen oft von chinesischen Touristen um ein gemeinsames Foto gebeten. Meistens bemerkte man schon vorher verstohlene Blicke, inklusive nervösem Gekicher. Ich fand es amüsant und habe gerne mitgemacht, wenn ich gefragt wurde. Beliebter waren natürlich helle, möglichst langhaarige Personen.

„Zieht euch warm an, auf der Mauer ist es kalt“,

hörten wir Bin sagen und er hatte Recht. Auf der Grossen Mauer pfiff ein kalter Wind, als wir den Aufstieg begannen. Zu der Mauer kann ich nur sagen:Grosse Mauer gleich grosses Erlebnis!

Peking selber begeisterte mich nicht so sehr, kam mir wie eine Beamtenstadt vor. Das ursprüngliche China vermisste ich in dem Meer der Hochhäuser. Wir besuchten aber am späten Nachmittag einen Stadtteil, der ahnen liess, wie es früher hier aussah. Mit einer Rikscha fuhren wir durch einige Strassen. Die armen Rikscha-Fahrer! Da mussten sie die grossen, schweren Deutschen mittels Beinkraft voranbringen. Trotzdem es in China nicht üblich ist, Trinkgelder zu geben, griffen alle in ihre Taschen und holten Yuans heraus.

(2)

Um 4:45 Uhr klingelte der Wecker, fassen eines kleinen „Fresspakets“ und dann Zugfahrt nach Xin’an. Was für eine Fahrt! 1200 km in fünf Stunden! Ach, gäbe es doch auch bei uns diesen Zug.

Eine faszinierende Stadt erwartete uns und endlich hatte ich das Gefühl, das echte China zu sehen. Gewusel auf den Strassen mit Strassenhändlern, rote Laternen und Lampions an den Häusern, schöne Stadtmauer, diese Stadt wusste zu begeistern. Etwas Besonderes war eine nächtliche Fahrt durch das Lichtermeer der Stadt und das Wasserspiel an der grossen Wildganspagode.

Dann ein weiteres Highlight der Reise: Besichtigung der Terrakotta-Armee – einfach nur beeindruckend!

(3)

Eine weitere Bahnfahrt brachte uns zum Jangtse, dem längsten Fluss Chinas. Drei Tage fuhren wir flussaufwärts, besichtigten den Drei-Schluchtenstaudamm, fuhren mit Booten auf einem Seitenarm des Jangtse und bestaunten die Landschaft. Vorzügliches Essen, kühles Bier und das Kulturprogramm der Crew erfreuten uns.

Schliesslich erreichten wir die grösste Stadt Chinas:Chongqing mit 32 Mio Einwohnern!

Wir fuhren durch die Stadt an mehrstöckigen Strassenkreuzungen und unzähligen Hochhäusern vorbei, bis wir den Zoo erreichten und ein weiteren Höhepunkt bestaunten: einen fressenden Panda! Sie ernähren sich von Bambus, erhalten eine Zufütterung, was den Cholesterinspiegel erhöht. Gut oder nicht gut?

Hier herrscht subtropisches Klima, wenig Sonne.

„Sonne ist für die Hunde“, meinte Bin, weil wenig Sonne scheint und es wenig Hunde gibt.

Apropos Hunde und der ständigen Frage, ja, man isst Hunde, aber nur im Süden von China.

(4)

Fahrt geht weiter zum Flughafen und Flug nach Guilin. Auf den Flughäfen und Bahnhöfen erfolgt Kontrolle des Gepäckes, auch Handgepäck.

Nun begann unsere feuchte Zeit, der Regen kam und blieb.

Die Unterkunft in Karstgebirge hatte Flair, sechs Stockwerke und die zu Fuss- 118 Stufen!

Sehr schade, dass wir die Kegelberge nur im Nebel und Regen sahen.

Unser Kunfuzius sagte: Wenn es regnet, wirst du nass. Wie Recht er wieder hatte.

Die Flossfahrt am nächsten Morgen fand bei Regen statt. Wie Zuckerhüte ragten die Berge oder Kegel in die Höhe. Es sah irgendwie mystisch und sehr schön aus.

Der Regen blieb uns auch auf dem Weg zu den Reisterrassen treu. Mit dem Bus fuhren wir an den Ausgangspunkt für den Aufstieg zu den Terrassen. Der Busfahrer fuhr nach dem Motto: Nur Fliegen ist schöner! Selbst die Hartgesottenen unter uns schnallten sich nach Blick in die Schluchten an. Angekommen hieß es nur: Schirm auf oder Cape an!

Oben angekommen, herrschte dichter Nebel und es blieb nur ein „gemütliches“ Beisammensein nach einem vorzüglichen Abendessen in der Herberge.

(6)

Zurück nach Guilin und Flug nach Hangzhou, einer grünen Stadt mit vielen Parks und Gärten. Sie gehört zu den sechs Kaiserstädten Chinas. Hangzhou zählt zu den Städten mit hoher Lebensqualität, auch deshalb, weil es hier nicht soviele Hochhäuser gibt. Es gibt viele Plätze, wo man sich trifft, redet oder tanzt. Wir besuchten den Westsee, ein beliebtes Ausflugsziel und im Anschluss eine Teeplantage. Zwei Stunden Freizeit nutzten wir zum Bummeln und Einkaufen, um dann

zur Besichtigung des Wasserdorfes weiterzufahren. Der Regen war nach kurzer Pause zurück. Angekommen, waren wir unter uns. Ausser Hunderten Chinesen war keiner an diesem idyllischen Ort. Ich fühlte mich etwas an Venedig erinnert. Am Abend erschienen die Häuser bizarr im Licht, die alle angeleuchtet wurden. Eine schöne Stimmung kam auf.

Am Morgen frühstückten wir direkt am Fluss, sehr idyllisch.

(7)

Shanghai…

Auf dem Weg dahin machten wir Station in einer Seidenweberei und in einem Restaurant zum Mittagessen. Während des Essens fiel das Licht aus und es wurde dunkel, was zu Lachanfällen führte.

Wir erreichten Shanghai und ich war fasziniert von dem Ausmass der Stadt. Ewig lange fuhren wir an Hochhäusern vorbei, befuhren riesige Strassenkreuzungen, durchquerten mehrere Tunnel und sahen immer Mal wieder den Shanghai-Tower und andere Hochhäuser.

Unser Zimmer für die letzten drei Tage lang im 19. Stockwerk und wir hatten sehr schönen Blick über die Stadt. Am Abend gab es eine Lichterfahrt durch die Stadt, ein unglaubliches Erlebnis. Wir erkundeten die Stadt am nächsten Tag mit der Metro, besuchten Märkte, eine Pagode und liessen uns treiben. Auch den letzten Tag verbrachten wir so, diesmal allerdings ohne „Aufsicht“ von Bin.

Danke an Peter und Petra- war ein klasse Tag mit euch!

Zurück nach Deutschland in zwölf Stunden und die Reise ist Vergangenheit. Was bleibt, sind viele Eindrücke von China, sehr schöne Momente mit der Gruppe und die hervorragende Betreuung durch Bin.

11j18w

6 Kommentare zu „Reise nach China

  1. Danke!
    Unser Reiseleiter hat viel erzählt und ich habe viel mitgeschrieben. Es waren viele Informationen über China und ich werde noch ein kleine Ergänzung über Fakten schreiben. Lg

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  2. Ni hao Jutta,

    Glückwunsch zu Deinem Bericht und den vielen „kleinen“Anmerkungen. Man fühlt sich regelrecht nach China versetzt. ich kann nur jedem raten dieses tolle Land selbst zu besuchen, es ist eine tolle Bereicherung. Euch ebenso Danke für den schönen Tag in Shanghai.Ist Eure nächste Reise schon in Planung?
    Ganz liebe Grüsse
    Petra

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, liebe Petra,
      es freut mich, das Lob von dir zu hören. Nein, eine nächste, grosseReise ist noch nicht geplant. Deutschland, mit den kleinen Städten im Süden, ist auch interessant :)… lgj

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  3. Liebe Jutta ,
    wie immer ein sehr gelungener Bericht über Eure Reise. Dieser hat uns schon deswegen interessiert , weil wir ebenfalls in China waren und es interessant ist , wie Andere das Land erlebt haben. Es sind im Wesentlichen die gleichen Highlights gewesen , die uns auch auf unserer Tour dargeboten wurden – nur daß wir in Shanghai begonnen hatten und die Reise in Peking endete . Einige Abweichungen gab es dennoch – die Reisfelder , das Wasserdorf und die Innenstadt von Shanghai waren nicht „drin“ . Mit dem Essen waren wir im Gegensatz zu Euch nicht klargekommen ( und mit uns fast die gesamte Gruppe ) – aber das ist sicher auch kein Grund , China zu besuchen oder auch nicht . Die Größe der Städte und die Hochhaus- Ansammlungen hatten uns ebenso überrascht , wie auch die Lösung der vielen Probleme Chinas .Die Deutschfreundlichkeit und die wohl immer noch vorhandene Exotik eine „Langnase“ zu treffen waren ganz angenehme Begleiterscheinungen. Ich persönlich würde mir gern mal die Fotos von der Reise anschauen – vielleicht schaffen wir das ja mal . Wir hatten im Gegensatz zu Euren Regentagen viel Smog und haben Peking fast nur im Dunst erlebt .
    liebe Grüße und weiter So !
    Ulla + Holger

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    1. Danke für deinen Beitrag!
      Ich hatte bei Status von WhatsApp täglich Fotos veröffentlicht. Michael ist schon dabei, Fotos für Dia-Show vorzubereiten. Dann seid ihr eingeladen!!! Lgj

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