Herbst

Warnemünde hat mich wieder.

China taucht in Träumen auf, die sich beim Aufwachen schnell verflüchtigen.

Als erstes nehme ich meine morgendlichen Stock-‚Gänge‘ wieder auf. Ich mag den Herbst, mag diese in sich übergehenden Farben Orange, Braun und Gelb. Ab und an blitzt eine rote Hagebutte durch das Blattwerk oder das Gras ist ganz grün. Ein sehr schönes Farbspiel! Der Herbst bringt Ruhe. Das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn ich zuhause bleibe, verblasst.

Der Strand ist inzwischen leer, vereinzelte Spaziergänger, Leute mit Hunden oder Nordic-Stöcken sind unterwegs. Wir sind also unter uns.

Am Strand wird der Sand neu verteilt. Der, der an der Mole angespült wurde, wird Richtung Wilhelmshöhe gefahren. Warum jetzt schon? Stehen die Herbststürme nicht noch aus?

Lange Zeit war ich allein unterwegs. Ich es mag, wenn das Meer rauscht, der Wind in den Bäumen bläst, Grussworte mit Fremden gewechselt werden. Durch einen Zufall kam ich auf die Idee, dass es in Gesellschaft auch schön sein könnte.

Gedacht, getan.

Am liebsten habe ich männliche Begleiter, denen ich zuhöre, die keine Antwort erwarten.

Meine Begleiter wechseln, haben tiefe, sonore Stimmen, manchmal sind sie laut und aufdringlich. Mein Keuchen vom schnellen Gehen lässt aber alles gut klingen. Ich bemerke gerade beim Schreiben, dass ich eher selten mit Frauen unterwegs bin. Woran liegt das? Keine Ahnung! Frauenfeindlich bin ich nicht.

Einen mag ich besonders gern, den Peter. Wenn er von einer frühen Begegnung erzählt, dann löst das auch in mir eine Erinnerung aus und ich fühle mich in meine Jugend und nach Riesa zurückversetzt. Die elfte Klasse lag hinter, das letzte Schuljahr vor mir und es war Sommer. Ich spürte damals den warmen Regen auf der Haut, der mit dem Gewitter kam, als ich über den Leninplatz rannte. Ich riss die Arme vor Übermut hoch, lachte unbändig und freute mich über den Peter M. und sein Lied.

„Duuuu, duuuu bist alles, was ich habe …“, schallte es aus den Lautsprechern und ich sang laut mit.

Natürlich habt ihr es längst erraten, wer meine morgendlichen Begleiter sind.

Wen oder was HÖRT ihr denn, wenn ihr unterwegs seid? Bestimmte Gruppen? Mehr Sängerinnen als Sänger oder umgekehrt? Radio? Hörspiele?

Ich bin gespannt auf eure Antworten.

Ein Kommentar zu „Herbst

  1. Danke für deine Nachricht!
    Ich denke, dass jeder ein Lied hat, dass ihn emotional aufwühlt, in vergangene Zeiten abtauchen lässt. Schön, wie du das formuliert hast.
    Deutschlandfunk Kultur ist unser „Haus- und Hofsender“, der auch gute Buchtipps hat.
    Lgj

    Liken

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