Wie entsteht die Wettervorhersage?

Wenn ich im Januar aus dem Fenster schaue, dann erscheint die Welt trist. Es ist oft neblig und diesig. Schneefall? Eher nicht, dazu wohnen wir nicht nördlich und auch nicht südlich genug. Mittendrin also, dort, wo es nicht richtig kalt wird und ich frage mich:

Wer ist eigentlich für das Wetter verantwortlich?

Der liebe Gott? Eher nicht.

Ich denke, das finde ich nicht so einfach heraus oder aber ich müsste mich auf die wissenschaftliche Ebene begeben. Könnte schwierig werden.

Aber wie eine Vorhersage entsteht, das könnte ich herausfinden und zwar mit Sabines Hilfe.

Wenn wir uns treffen, gibt sie Auskunft, was uns die nächsten Tage erwartet, ob es sich lohnt, den Grill anzuwerfen oder ob wir besser zuhause bleiben.

Sie ist unsere ‚Wettervorhersagerin‘.

Als technische Assistentin für Meteorologie war sie jahrelang Wetterbeobachterin und Leiterin der Wetterwarte Warnemünde. Seit immerhin 33 Jahren ist sie in ihrem Beruf tätig. Immer wieder betont sie mit leuchtenden Augen, es sei ihr Traumberuf und sie würde ihn immer wieder wählen.

Sie ist also die absolut richtige Ansprechpartnerin für mich.

Die Wetterwarte gehört für mich zu Warnemünde wie der Leuchtturm. Wenn wir im Sommer zum Strand fahren, werfen wir vorher und nachher einen Blick auf die angegebenen Wasser- und Lufttemperaturen. Die gefühlten Temperaturen unterscheiden sich von den angegebenen. Zu Saisonbeginn sind 15 Grad Wasserwärme WARM, während Mitte Juli diese Temperatur als KALT empfunden wird.

Diese Anzeige könnte aber im Rahmen der Automatisierungen bald vorbei, meinte sie.

Das wiederum wäre ausgesprochen schade!

Wir treffen uns an einem kühlen Tag im Januar vor der Wetterwarte.

Als erstes werfen wir einen Blick auf die Erfassung der Daten. Es ist kalt, der Boden ist teils mit Schnee (tatsächlich 0,5 cm!) bedeckt, als wir das Dünenmessfeld, übrigens das einzige in Deutschland, betreten. Sabine erklärt uns die einzelnen Messgeräte, die früher jede Stunde abgelesen wurden. Inzwischen werden die Daten elektronisch übermittelt. Gleichzeitig gibt sie einen Einblick in die Geschichte der Wetterwarte.

Parallel zu den jahrzehntelangen Wetteraufzeichnungen am Standort Rostock gehen die Anfänge in Warnemünde bis ins Jahr 1841 mit ersten sporadischen Windbeobachtungen zurück. Seit 1850 wurden vom jeweiligen wachhabenden Lotsen die Sichtweite, Wolken, Wind, Eisverhältnisse sowie die Temperatur und der Luftdruck für die Deutsche Seewarte Hamburg festgestellt. Vom Lotsenkommandeur St. Jantzen wurden 1877 erstmals Beobachtungen veröffentlicht.

Später befand sich auf dem Flugplatz Warnemünde- Markgrafenheide eine mit Fachmeteorologen besetzte Wetterwarte, die zum 1.1.1939 zu Wetterwarte umbenannt wurde.

Im Februar 1945 wurde der Beobachtungsdienst nach Bombardierung des Flugplatzes eingestellt.

Am 01.05.1946 wurde die Station in der Seestrasse eröffnet, wo sie heute noch ist. Die Ausrüstungen wurden und werden ständig verbessert.

Am 19.09.1990 begann die Automatisierung der Wetterbeobachtung in Warnemünde. Damit wurden die Erdbodentemperaturen 5 bis 100 cm und die Temperatur 5 cm über dem Erdboden nicht mehr im Dünenfeld sondern auf dem Hochmessfeld im Hof der Wetterwarte gemessen. Grund dafür waren häufige Zerstörungen auf dem Dünenmessfeld wie Sandverwehungen. Interessant war die Zeit, als die Stranddiestel unter Naturschutz gestellt wurde. Da war es nicht mehr so einfach, die Pflanzen zu entfernen.

Im Zuge der Wiedervereinigung trat der Meteorologische Dienst am 3.10.1990 dem Deutschen Wetterdienst bei und die Wetterstation Rostock-Warnemünde wurde in das gesamtdeutsche Messnetz integriert.

Am 01.07.2005 wurde die Wetterstation in Wetterwarte Rostock-Warnemünde umbenannt.

Während in früheren Jahren mehrere Mitarbeiter für Datenerfassung verantwortlich waren, sind es heute noch drei, die hauptsächlich Organisationsaufgaben erledigen.

Die Daten, die hier und heute erfasst werden, gehen in nationalen und internationalen Austausch der Weltorganisation für Meteorologie ein.

Früher war die Hauptaufgabe von Sabine, das Wetter zu beobachten. Die Messfelder wurden jede Stunde kontrolliert und die Daten aufgeschrieben. 24h! Fünf Minuten wurden Daten abgelesen und aufgeschrieben. Nachts und im Winter konnten fünf Minuten ganz schön lang werden! Daraus entstand die Wettervorhersage und ergab auch die Anzeige vor der Wetterwarte.

Wie lange kann man eigentlich das Wetter vorhersagen? Das interessiert mich schon lange.

Es ist nunmehr möglich, für jeden Ort eine fundierte Vorhersage für drei Tage zu geben. Aber auch das nicht 100%ig, da es immer Unsicherheitsfaktoren wie zum Beispiel plötzlich auftretender Seenebel oder aber Seewinde geben kann. Ich erinnere mich, dass es im Hochsommer in Rostock heiß war und wenn ich mit der S-Bahn nach Warnemünde kam, war es zehn Grad kälter und total neblig!

Die Reverenzreihe, die für Vergleiche der Jahrestemperturen genutzt wird, ist auf 1960-1990 festgelegt. Dadurch konnte der Anstieg der Jahresmitteltemperatur nachgewiesen werden und auch, dass das Wetter nicht allein für die Klimaveränderung verantwortlich ist.

Man merkt es Sabine an, wie begeistert sie ihren Beruf ausübt. Die stündlichen Abmessungen früher waren anstrengend, aber auch schön. Wer kann schon von sich sagen, alle Wolkenarten, Nordlichter und aufkommende Gewitter en Detail und zu jeder Tages-und Nachtzeit gesehen zu haben?

Ein wenig entschädigt heute der Blick aus dem Fenster der Wetterwarte direkt auf die Ostsee und auf die ein- und auslaufenden Schiffe.

Und wenn es im Sommer so richtig heiss ist, kann sie schnell in der Ostsee abtauchen. Wer kann das schon?

Danke, Sabine, für deine Informationen/Erklärungen und weiterhin viel Freude bei der Arbeit.

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